Wir haben es selbst gesehen und sind Zeugen dafür, das der Vater seinen Sohn gesandt hat als den Retter der Welt.@1 Johannes 4,14

Martin Luther, 1523.

Joseph Klug’s Geistliche Lieder (Wittenberg: 1535) (🔊 pdf nwc).

Porträt
Martin Luther (1483-1546)

Nun freut euch, lieben Christen g’mein,
Und lasst uns fröhlich springen,
Dass wir getrost und all in ein
Mit Lust und Liebe singen:
Was Gott an uns gewendet hat,
Und seine süsse Wunderthat,
Gar theur hat er’s erworben.

Dem Teufel ich gefangen lag,
Im Tod war ich verloren,
Mein’ Sünd’ mich quälet Nacht und Tag,
Darin war ich geboren,
Ich fiel auch immer tiefer d’rein,
Es war kein gut’s am Leben mein,
Die Sünd’ hat mich besessen.

Mein’ gute Werk’ die galten nicht,
Es war mit ihm verdorben;
Der frei Will’ hasset Gottes G’richt,
Er war zum Gut’n erstorben;
Die Angst mich zu verzweifeln trieb,
Dass nichts denn Sterben bei mir blieb,
Zur Hölle musst ich sinken.

Da jammert’s Gott in Ewigkeit
Mein Elend über Massen,
Er dacht’ an sein’ Barmherzigkeit,
Er wollt’ mir helfen lassen;
Er wandt’ zu mir das Vaterherz,
Es war bei ihm fürwahr kein Scherz,
Er liess sein Bestes kosten.

Er sprach zu seinem lieben Sohn:
Die Zeit ist hier zu ’rbarmen,
Fahr’ hin mein’s Herzens werthe Kron’
Und sei das Heil dem Armen,
Und hilf ihm aus der Sünden Noth,
Erwuerg’ für ihn den bittern Tod
Und lass’ ihn mit dir leben.

Der Sohn dem Vater g’horsam ward,
Er kam zu mir auf Erden,
Von einer Jungfrau rein und zart,
Er sollt’ mein Bruder werden.
Gar heimlich fuehrt er sein’ Gewalt,
Er ging in meiner armen G’stalt,
Den Teufel wollt’ er fangen.

Er sprach zu mir: halt’ dich an mich,
Es soll dir jetzt gelingen,
Ich geb’ mich selber ganz für dich,
Da will ich fuer dich ringen;
Denn ich bin dein und du bist mein,
Und wo ich bleib’, da sollst du sein,
Uns soll der Feind nicht scheiden.

Vergiessen wird er mir mein Blut,
Dazu mein Leben rauben,
Das leid’ ich alles dir zu gut,
Das halt’ mit festem Glauben.
Den Tod vorschlingt das Leben mein,
Mein’ Unschuld traegt die Sünde dein,
Da bist du selig worden.

Gen Himmel zu dem Vater mein
Fahr’ ich von diesem Leben,
Da will ich sein der Meister dein,
Den Geist will ich dir geben,
Der dich in Trübniss troesten soll
Und lehren mich erkennen wohl,
Und in der Wahrheit leiten.

Was ich gethan hab’ und gelehrt,
Das sollst du thun und lehren,
Damit das Reich Gott’s werd’ gemehrt
Zu Lob’ und seinen Ehren;
Und huet’ dich vor der Menschen G’sats,
Davon verdirbt der edle Schatz,
Das lass’ ich dir zur Letze.